WeBUS Ingenieurbüro
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Fluortenside in Schaummitteln

Wie bereits im Kapitel Schaummittelarten beschrieben benötigen die Feuerwehren z. B. zur Tankbrandbekämpfung hochwirksame Schaummittel. Bei AFFF-Schaummitteln kann sich aufgrund der enthaltenen Fluortenside ein hauchdünner wässriger Tensidfilm zwischen brennender Oberfläche und eigentlichem Schaumteppich ausbilden. Die Moleküle der Fluortenside weisen einen wasseranziehenden und wasserabweisenden Teil auf und durch diese Eigenschaft kann der notwendige wässrige Tensidfilm gebildet werden.

 

Fluortenside werden einklassifiziert in perfluorierte Tenside (PFT) und perfluorierte bzw. polyfluorierte Chemikalien (PFC). Chemisch gesehen bestehen PFC aus Kohlenwasserstoffketten verschiedener Länge, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch z. B. Fluoratome u. a. ersetzt sind. Bei den PFTs gibt es ca. 370 Einzelverbindungen und bei den PFCs ca. 850 Einzelstoffe. In den ca. 850 PFCs sind alle PFTs enthalten und somit beschreiben die PFCs die gesamten Fluortenside.

 

In dieser Vielzahl von verschiedenen PFCs stellen das Perfluoroctansulfonat (PFOS) und die Perfluoroctansäure (PFOA) Leitsubstanzen der unerwünschten Fluortenside dar.

Durch eine Richtlinie des Europäischen Rates (2006/122/EG) und nach den Bestimmungen der deutschen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV Anhang IV Nr. 32), dürfen seit Mitte 2011 Schaummittel mit einem PFOS-Gehalt über 0,005 Gew%, dies entspricht ca. 50.000 µg/l, nicht mehr hergestellt und verwendet werden.

 

Bei diesem Verbot geht es nur um das PFOS d. h. alle anderen PFC-Gehalte sind in Schaummitteln z. Z. nicht begrenzt.

 

In einer weiteren Verordnung der EU (757/2010 vom 24.08.2010) sog. „POP-Verordnung“ (Persistent Organic Pollutants, POPs) wird die „PFOS-Freiheit“ mit einem maximalem Gehalt bis zu 0,001 Gew % (= ca. 10.000 µg/l) PFOS beschrieben. Bei einer 3 % igen Zumischung des Schaumkonzentrates ergäbe sich im Löschwasser eine PFOS-Konzentration von ca. 300 µg/l.

 

Ende 2014 haben Deutschland und Norwegen einen Beschränkungsantrag für PFOA und artverwandte C7- und C8-Fluorchemikalien bei der ECHA - der europäischen Chemikalienagentur und  zentralen Schaltstelle von REACH in Helsinki - eingereicht. Mitte 2017 ist dazu eine EU-Verordnung mit den nachfolgenden, ab dem 4. Juli 2020 geltenden, Beschränkungen in Kraft getreten:

  • 25 ppb für PFOA und 1.000 ppb für PFOA-Vorläuferverbindungen
  • Die v. g. Beschränkungen gelten nicht für Feuerlöschschäume, die vor dem 4. Juli 2020 in Verkehr gebracht werden.
  • Feuerlöschschäume, die vor dem 4. Juli 2020 gekauft werden, dürfen anschließend weiterverwendet werden (Aufbrauchregelung).

 

Die heutigen AFFF-Schaummittel weisen aufgrund eines neueren Herstellungsverfahrens (Telomerverfahren) nur noch Spuren von PFOS und PFOA auf. Beim Telomerverfahren werden gezielt C6-Verbindungen hergestellt und nicht wie bei früheren Herstellverfahren C8-Verbindungen, so dass kein PFOS und PFOA enthalten sind bzw. sich auch nicht bilden können. Um den für einen Löscherfolg und die Rückzündungssicherheit notwendigen wässrigen Tensidfilm zu bilden müssen in den AFFF-Schaummitteln Fluortenside enthalten sein.

 

Die o. g. Beschränkungen und Verbote gelten immer für das Herstellen, in Verkehr bringen und die Verwendung von Produkten. Dies wird in der Regel im Chemikalien- und Gefahrstoffrecht in Deutschland geregelt. Darüber hinaus sind allerdings beim Einsatz von Fluortensiden auch andere Umweltrechtsgebiete wie z. B. das Wasserrecht zu beachten. PFOS ist beispielsweise langlebig und biologisch schwer abbaubar, so dass es in Kläranlagen nicht zurückgehalten oder abgebaut werden kann. Ein Teil des PFOS gelangt in den Klärschlamm und dann oft in eine Klärschlammverbrennung, aber der Rest durchläuft die Kläranlagen und gelangt anschließend in den nächsten Vorfluter. Aus v. g. Gründen gelten im Wasserrecht andere, meist schärfere Grenzwerte als im Produktrecht.

Die EU hat dazu die Richtlinie 2013/39/EU zu prioritären Stoffen im Bereich der Wasserpolitik novelliert und am 12.08.2013 veröffentlicht. Die Mitgliedsstaaten müssen diese Richtlinie, in der im Anhang I und II PFOS neu aufgenommen wurde, nun umsetzen. Im Anhang II sind sogenannte Umweltqualitätsnormen für PFOS festgelegt, wonach z. B. in Binnenoberflächengewässer im Jahresdurchschnitt 6,5 x 10-4 µg/l PFOS bzw. als zulässige Höchstkonzentration 36 µg/l PFOS festgesetzt sind.

 

Die Mitgliedsstaaten sollen die Umweltqualitätsnormen ab dem 22.12.2018 anwenden um durch entsprechende Maßnahmen ab dem 22.12.2027 den guten Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen.

 

Für den umweltschonenden Einsatz von fluorhaltigen Schaummitteln haben der Deutsche Feuerwehr Verband, der Bundesverband technischer Brandschutz und das Umweltbundesamt ein gemeinsames Merkblatt veröffentlicht, in dem Hinweise zum Umgang mit diesen Schaummitteln gegeben werden.

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